Was in Vezza geschah, bleibt in Vezza!

Sobald ich meinen Vorschlag Leana und Ixcalotl vorgetragen hatte, waren sie begeistert bei der Sache gewesen; die Schamanin noch mehr als der Zöllner. Somit stand unser nächstes Reiseziel fest: Vezza!

Vor einigen Jahren, als ich zuletzt dort war, hatte ich lediglich die letzten beiden Tage des großen Festes miterlebt. Nun war die Zeit günstig und der Geldbeutel voll, sodass ich die Idee an die beiden herangetragen hatte, dorthin aufzubrechen: zum großen Maskenball, der nicht ein, zwei Abende sondern eine gesamte Trideade lang eine ganze Stadt mit ihrem Umland auf den Kopf stellte! Tausende Feiernde, dutzende Bardengruppen, Alkohol und andere Drogen so weit das Auge blicken kann – das entsprach ganz dem Sinn von dem, was ich mir fürs Leben vorstellte!

Ein Schiff war schnell organisiert und die langweile Fahrt nach Parduna im Vizekönigtum Leonessa mit einigen Spielchen vertrieben. Ohne Zeit zu verlieren, fand ich einen Kutscher, der die zwei Tage Fahrt für klingendes Gold auf sich nahm und uns somit eine unbeschwerte Anreise verschaffte…

Mit seinen fünftausend Einwohnern war Vezza für die Verhältnisse der Küstenstaaten gerade einmal ein Dorf, wo es in Alba wohl längst das Stadtrecht besäße und dutzende Händler anziehen würde. Doch was hier bald geschehen würde lockte Menschen, Zwerge, Gnome und sogar Elfen aus allen Teilen der Welt an, sodass sich bereits ein riesiges Heer aus Zelten vor den Mauern formiert hatte – bereit zum feierlichen Sturm auf den Marktplatz, wenn in zwei Tagen der Maskenball beginnen würde.

Bereits jetzt flossen Wein und Bier der Angereisten reichlich und einige von ihnen kümmerten sich selbst – mehr schlecht als recht – um musikalische Unterhaltung. Nicht allzu sehr ins Detail will ich mit dem Gestank gehen, der sich mancherorts geradezu derbe in die Luft setzte, um einem den Atem zu versauen.

Ich bereitete meine Gefährten bereits moralisch darauf vor, ebenfalls ein Zelt aufzuschlagen. Damals war es unmöglich gewesen, noch ein Zimmer innerhalb der Stadtmauern zu finden…doch dieses mal kam es anders: bereits bei der ersten Anfrage im „Betrunkenen Rotschopf“ erhielten wir die Schlüssel für zwei Zimmer; Leana erfocht sich beharrlich das Einzelzimmer von Ixcalotl, welcher sich den Raum mit mir würde teilen müssen. Mittlerweile kamen wir ja auch besonders gut aus, der gute Kurt und ich…

Nachdem unsere Sachen verstaut waren, schauten wir uns nach Masken um, wobei wir recht schnell einen guten Laden mit ausreichendem Angebot fanden. Für mich wurde es eine schlichte, weiße Halbmaske im Stile irgendeiner verrückten Geschichte, die hierzulande relativ beliebt war. Leana entschied sich für eine hochwertige, aber nicht allzu teure Maske mit silbernem Zierrat. Ixcalotl schoss jedoch den Vogel ab. Mit etwas anderem als der Königsklasse wollte er gar nicht anfangen und entschied sich für eine prächtige Maske, welche einen porzellanhaften Eindruck machte, sich gleichmäßig an die Haut anschmiegte und durch blattgoldene Intarsien den Reichtum ihres Trägers zur Schau stellte. Also endlich machte der Huatlani mal Eindruck und dann auch noch positiven!

Die letzten zwei Tage, bevor es losging, verbrachten wir damit, uns gemütlich umzuschauen, was es so alles gab. Da war nichts weiter Wichtiges dabei, außer, dass ich mir bei einem zwielichten KanThai am Straßenrand ein, zwei Stengel von zu Röllchen gewickelten KarPanTin besorgte…

Dann kam er endlich, dieser legendäre Abend. Kaum hatte sich das Sonnenlicht geflüchtet, gingen die Lichter an den Straßen an und jeder legte seine Maske an. Egal ob Bettler mit Tuch oder Adeliger mit Reingold-Maske – alle verbargen auf einen Schlag ihr Gesicht und strömten zum Marktplatz Vezzas, wo die verrückten Alchemisten des Ostens eine abstruse Apparatur aufgebaut hatten. Hunderte ballten sich auf dem engen Platz und auch die Straßen waren dicht befüllt – was jedoch eifrige Wirte nicht daran hinderte, mit großen Tabletts durch die Menge zu balancieren und jedem, der fragte, für unerhörte Preise Bier oder Wein zu übergeben. Dann begann plötzlich ein Zischen und Heulen, als ein zwei dicke „Rohre“ gen Himmel schossen, begleitet vom irren Gackern der KanThai. Es folgte ein Schlag wie von Donner und plötzlich war der Himmel von tausenden Lichtfunken erleuchtet, alle Farben des Regenbogens waren zu sehen und zunächst ging ein Raunen, dann grenzenloses Jubeln durch die Menge und alle feierten die Fremden für ihr Geschenk an Vezza: Feuerwerk!

Es folgten einige Minuten, in denen alle gebannt auf dem Himmel starrten, um die immer neuen Farben und Formen zu bewundern, welche die KanThai durch eine gesunde Mischung aus Magie und Alchemie erzeugten. Dann endete das Schauspiel und überall in und um Vezza begannen die Bardengruppen aufzuspielen. Direkt vor uns begann eine besonders eifrige Truppe ihr Konzert, dass sich der Marktplatz bald in die größte Tanzfläche der Küstenstaaten verwandelte.

Mit meinen Freunden stürzte ich mich mitten ins Getümmel, bis es mir nach einiger Zeit zu anstrengend wurde und ich die beiden zur Seite zog. Geheimnistuerisch verteilte ich das Karpantin und Ixcalotl waltete seines Amtes: mit einem Schnipsen entzündete er seinen Finger und gab natürlich zunächst der Dame Feuer. Dann zogen wir an dem Stengel, zunächst zögerlich, dann, als würde unser Leben davon abhängen. Ich hatte ja schon einiges erlebt aber das…

VIELE BUNTE FARBEN!

Die Umwelt erstrahlte plötzlich kräftig wie bei Tage und die Farben der Masken, der Kleidung schossen einem quasi ins Gesicht. Die Bewegungen der Tänzer hinterließen Spuren in der Luft, welche in alle Richtungen davonflossen, dass sich durch ihre engelsgleichen Bewegungen ein Bild vor unsere Augen setzte, dessen Schönheit mit Worten kaum zu fassen war. Das helle Staunen stand uns allen im Gesicht. Wie musste es erst sein, wenn wir uns noch ein wenig Alkohol dazu gönnten? Das musste perfekt werden! Natürlich waren Leana und Ixcalotl meiner Meinung und wir gingen in eine Nebengasse, um schnell zu einer besonders guten Kneipe zu kommen, welche ich kannte…wie war ihr Name noch gleich? Ich…

KANINCHEN!

Da strömten uns plötzlich etliche, weiße Kaninchen entgegen. Oh, wie süß sie waren. Knuffig die Augen, flauschig das Fell. Mit eifrigem Tapsen näherten sie sich uns und mit Freude gingen wir ihnen entgegen, um sie zu streicheln. Sie schnurrten vor Freude…Kaninchen schnurren doch gar…

SO FLAUSCHIG!

Wenn mir die Götter Flügel gäben, auf dass ich zu den höchsten Wolken, geküsst von der Sonne dieser und der aller anderen Welten, steigen könnte, um mein Gesicht tief in sie zu vergraben – nur dieses Gefühl käme dem Flaum der Kaninchen gleich, die nun versuchten, an uns nach oben zu springen. Lauthals lachend ließ ich mich fallen, sodass sie mich rasch unter sich begruben, dass ich mich kaum noch rühren musste. Aber wer wollte das auch noch? Ich wurde auf einer Wolke getragen, von ihr umschlungen und zu den höchsten Höhen der Welt geführt…

ALLES IST SCHÖN!

Aber was machte denn Leana da? Oh, sie hatte ein großes Kaninchen gefunden. Meine Güte, das war ja fast so groß wie ich. Und wie sie es knuddelte, einfach süß! Man konnte förmlich spüren, wie entspannt sie war. Zum Dank half sie dem Karnickel sogar und kämmte ein wenig dessen Fell mit dem wunderschönen Dolch… aber eine Waffe? Das…was…

FEUERWERK!

Ixcalotl freute sich auch so sehr, dass er sein eigenes Feuerwerk veranstaltete und ein paar Blitze in die Luft schoss. Ich hätte ja geklatscht und um Zugabe gerufen, doch die Kaninchen waren überall, sodass ich mich nicht rühren konnte. Ja nicht einmal sprechen ging, nicht einmal atmen…

SO GUT GING ES MIR NOCH NIE!

DAS IST DER BESTE ABEND MEINES LEBENS!

OH, DU HAST KEIN BIER? ICH GEBE EINE RUNDE!

SO JUNG KOMMEN WIR NICHT MEHR ZUSAMMEN!

WER BIST DU? NETT DICH… LERNEN… DINGS!

Mein Kopf… was… wo? Hell, dunkel? Was…?

Mein Bauch…wer…wie…w….

„Hey! Tikkmikk!“

Langsam, ganz langsam öffnete ich die Augen. Das Sonnenlicht brannte mir direkt in die Linsen, dass es beinahe den gesamten Kopf zerriss. „Ahhhh, das tut so weh!“, brachte ich nur hervor und schloss direkt wieder die Lider.

„Tikkmikk, verdammt! Wir haben dich überall gesucht, jetzt steh auf!“

Diesmal hielt ich dem gleißenden Licht, das mir meine Augen zu versengen suchte, stand. Einem unvergleichlichen Heroen gleich…warte, Wiederholung…
Genüsslich brach ich aus mir hervor, was nicht dahingehörte und so wie es sich anfühlte, ging auch etwas davon verloren, was da hingehörte. Dann konnte ich wieder scharf sehen und erblickte Ixcalotls und Leanas Maske sowie irgendeinen Fremden.
„Will Bett“, gluckste ich, ehe mir wieder die Augen zufielen. Wer konnte denn hier auch nur eine Minute lang die Lider offen halten?! Abgesehen davon, dass es mir Schädel und Magen vollständig zerfetzt hatte und ich wohl nur noch durch göttlichen Beistand aneinanderhing, hatten irgendwelche Dämonen die Sonne auf zwei Meter herangeholt, um jedem, der so dumm war, die Augen aufzumachen, dass Sehvermögen auszubrennen. Aber irgendjemand hob mich auf…ich flog…sanft wie ein Engel…

Als ich das nächste Mal erwachte, war es schwarz um mich. Und eng. Verdammt eng und unbequem. Holz umfasste mich von allen Seiten, kein Lichtstrahl erhellte die Finsternis. So konnte nicht einmal ein Gnom etwas sehen. Hektisch begann ich meine Umgebung abzutasten. Es bewegte sich nichts, zumindest hatte man mich in keine kleine Kiste gesteckt. Über mir war noch Luft…da! Ich ertastete einen Spalt, fuhr ihn entlang, bis ich schließlich feststellte, dass es sich um zwei Türflügel handelte. Energisch stieß ich dagegen und anstandslos schwangen sie auf, sodass ich freie Sicht hatte.

Sternenlicht fiel in das Zimmer, welches ich schnell als das meinige erkannte. Schnell gewöhnten sich meine Augen daran und ich erkannte, dass meine Sachen noch da waren, ebenso die von Ixcalotl – von dem Priester selbst jedoch keine Spur. Aber zunächst wuchtete ich mich aus dem Schrank heraus. Der verfluchte Witzbold hatte es wohl witzig gefunden, mich nach dem schlimmsten Kater seit fünfzig Jahren wegzusperren, als wäre ich alte Garderobe. Das wird Konsequenzen haben! Aber zunächst…ein gemütliches Nickerchen im Bett kann nicht schaden.

Am nächsten Mittag ging ich nach unten in den Gastraum, wo der betrunkene Wirt wortwörtlich in den Seilen hing. Außerdem erspähte ich meine kostümierten Gesellen, bei denen jedoch noch ein weiterer saß. Dessen Maske war ebenfalls nicht sonderlich billig gewesen, wenn sie auch neben der Vermummung Ixcalotls verblasste. Ein neu aufstrebender Begleiter?

Neugierig setzte ich mich hinzu, um zu erfahren, wer sich da zu uns gesellt hatte. Er stellte sich als Kilian Asjadi vor, mit einer gewissen Betonung auf „Herr Asjadi“. Naja, das ignorierte ich dann wie immer. Er kam aus Aran und musste wohl ein lahmes Bein haben. Andernfalls würde ihn wohl keiner bedienen, wenn er mit einem Stab herumlief, dessen Spitzen mit Metall umfasst waren. Oder sie waren hier einfach alle ständig voll…hm, ja, offensichtlich. Dann brachte ich meine Anklage hervor, doch Ixcalotl verwies an den Neuen, der sich uns scheinbar auf der ominösen Sauftour vor gefühlten Jahren angeschlossen hatte. Aber Kilian gelang es, mich vorerst glauben zu machen, dass ich wohl in meinem vollen Kopf selbst in den Schrank geklettert war. Mit wachsendem Abstand und klarerem Kopf kommt mir das mittlerweile eher zweifelhaft vor. Doch sei’s drum, ich beließ es dabei und schlug den dreien vor, zu einem der Wahrsager hier zu gehen. Sie zeigten sich interessiert, doch vorher stand das Halbfinale des Witzturniers an, bei dem noch Leana und Kilian im Rennen waren. Neugierig ging ich mit, das hatte ich damals verpasst.

Und dabei hätte es bleiben sollen. Ich ertrage ja viel und schreibe noch mehr nieder, doch das. Nein, es gibt Dinge, die sollten wirklich in Vezza bleiben. Aber immerhin traf ich den Gegner Kilians mit einer fetten Tomate voll ins Gesicht! Half dem Araner jedoch nicht weiter. Für mich waren zwar alle bis auf wenige halbwegs gelungene Possen Verlierer, doch das „Gericht“ entschied, dass der Tomatenvolltreffer und Leana ins Finale einzogen. Nun denn, sollte es wohl so sein.

Anschließend suchten wir den „Meisterwahrsager Zoltar“ auf. Kaum in sein lilafarbenes Zelt eingetreten, wallte uns Nebel entgegen und hinter einem kleinen Tisch mit funkelnder Kristallkugel saß der Mann aus dem fernen Osten, das Haar weiß, die Augen in seltsamen, scheinbar wechselnden Farben leuchtend. Effektheischend weitete er die Arme, dass sein Gewand Wellen schlug und mit tiefer Stimme empfing er uns:

„Seid gegrüßt, edle Gäste! Die Geister sahen euer Kommen nahen und sind gewillt, euch eure Zukunft zu weisen! Doch wisset, die Opfergaben, die nötig sind, um sie friedlich zu stimmen, haben einen Preis. So gerne ich nur nehmen würde, was ich zu leben brauche… es muss auch für Ruhe im Reich der Toten gesorgt sein!“

„Wie viel soll es denn kosten, mit ‚den Geistern zu reden‘?“, fragte Leana. Ixcalotl fummelte währenddessen irgendwie an den Zeltstangen herum. War er irgendwie verwirrt? Zumindest eine Weile grinste er dümmlich, bis er merkte, dass irgendwas nicht geklappt hatte. Achselzuckend hörte er dann gespannt auf Zoltars Angebot.

„Räucherstäbchen, Speiseopfer sowie das eine oder andere… zwanzig Goldstücke pro Person!“

So schnell hatte der Wahrsager noch keine Kunden gehen sehen. Zwar hatte ich das Gefühl, das hinter dieser ganzen Fassade noch mehr steckte, aber die anderen hatten Recht. So gerne ich solche Späße mitmachte, das war wirklich zu teuer.

Als wir wieder auf dem Marktplatz standen, meinte Leana plötzlich: „Wir brauchen noch Kleidung für den Ball heute Abend! Wir müssen uns schon etwas Besonderes suchen, wenn wir zu den Adeligen in die Oberstadt gehen.“

„Ihr macht was?!“, schaute ich sie verdutzt an. Man bemerke: sie hatte zu diesem Zeitpunkt noch immer ihre groben Leinensachen sowie Pelze an und Ixcalotl lief sowieso immer oberkörperfrei mit roter Bemalung (Menschenblut, Schweineblut, Menstruationsblut, von sich selbst oder anderen, was auch immer…) herum.

„Kilian wurde auf einen Ball eingeladen und wir gehen mit“, gurrte Leana zurück und da kam tatsächlich etwas von der Dame in ihr zum Vorschein, dessen ich vorher noch nicht gewahr worden war.

„Nun, macht ihr mal…euren Schickimicki-Kram…“, sprach ich und entfernte mich langsam von der Gruppe. Ganz schlechter Einfluss dieser Kilian!

Während die anderen wie die Hofschranzen bummelten und Kleider anprobierten, tat ich, was dem Maskenball von Vezza angemessen war! Ich suchte mir eine ordentliche Kneipe und fand dort einen Mann namens Alexios Margas, der aus Chryseia gekommen war und hier ein Wetttrinken der ganz besonderen Art abhielt. Runde für Runde tischte er uns erlenste Getränke aus aller Welt auf, wie das Dvarheimer Doppelbock oder den Zwergentod, um nur ein paar der härteren zu nennen. Freudig machte ich mich und schaffte es sogar, nicht als erster auszuscheiden, sodass ich kostenfrei aus der Sache herauskam. Der weitere Abend entglitt mir jedoch immer mehr, bis ich schließlich hundert Goldstücke darauf wettete, dass ich auf einem albischen Wolfshund Rodeo reiten könne. Ich verlor… aber was soll’s. Bin nicht nach Vezza gekommen, um reich zu werden!

Am nächsten Mittag wirkten die anderen beim Frühstück etwas unentspannt, sprachen von irgendeinem merkwürdigen Typen mit roter Maske und, dass sie sich vielleicht einen Feind gemacht hatten. Kilian schien sich gestern wohl nicht sonderlich gut benommen zu haben. Aber die Stimmung besserte sich, sobald das erste, morgendliche Bier runtergespült war und wir machten uns auf dem Weg zum großen Finale – der Tomatenvolltreffer Furgas, der von seinen schlechten Witzen mit Funkensprüherei ablenken wollte gegen Leana, die Wort für Wort ihr Mieder etwas weiter öffnete, bis die umstehenden Männer durch die Maske gesabbert hatten. Irgendwie war das alles nicht fair und wohl gerade deshalb stand der eigentliche Favorit Rodario der Unglaubliche am Rande und blickte verdrossen auf das Schauspiel.

Aber ich bleibe dabei: das darf einfach nicht für die Nachwelt erhalten bleiben. Ein Grund mehr, sich die Erinnerungen aus dem Hirn zu saufen… aber Leana gewann! Die große Überraschung gelang und das noch bevor sie ihre Brüste entblößt hatte. Bei ihrer Umtriebigkeit dürfte zwar wahrscheinlich schon halb Vezza alles gesehen haben…oh, ich spüre die Ohrfeige.

Mit sichtlich gesteigertem Selbstbewusstsein kam sie vom Podest, erhielt ihren Preis und kam jauchzend zu uns zurück. Ich freute mich mit und schlug vor, das mit einem Wetttrinken der Spezialitäten zu feiern…

Grinsend empfing mich Alexios, als ich ihm die neuen Teilnehmer seiner Herausforderung mitbrachte. Begeistert schlossen sich alle drei an, während ich ausnahmsweise Abstand davon nahm, erneut mitzutrinken. Diesmal schien mir keiner der Beteiligten, so angetrunken, dass ich nicht würde zahlen müssen. Neben meinen drei Gefährten waren das der Gastgeber selbst, der Waeländer Thure und der hier heimische Galamenos.

Die ersten beiden Runden gingen schmerzlos vorüber, selbst der Schnaps aus 1001 Nacht und der Twinewarder Rachenputzer gingen sauber die Kehle hinunter. Dann tischte Alexios jedoch Dhwyllans Ruf auf, der Galamenos den Rest gab. Sabbernd legte er den Kopf auf den Tisch und begann lautstark zu schnarchen. Damit waren die anderen aus dem Schneider und konnten das üppige Startgeld von 50 GS wieder einsacken. Das kam nicht zu früh, denn sobald der Dvarheimer Doppelbock verzehrt war, ging auch Kilian in die Knie und hielt sich ächzend den Magen. Die anderen machten weiter, tranken auch die tausend Dolche und – was sie besser hätten bleiben lassen – die Rache der Dreiheit. Bereits vorher waren Leana und Ixcalotl kaum noch bei Sinnen gewissen, aber nun spuckten sie in allen Farben des Regenbogens über den Tisch, dass unbedarfte Gäste sowie Alexios und Thure es gerade noch davonhechten konnten. Der schlafende Galamenos hingegen…dürfte ein übles Erwachen werden.

Damit wurde es eindeutig Zeit für die drei heim zu gehen und ich führte sie hinaus. Da erspähte ich einen interessanten Stand mit einer noch interessanteren Person dahinter… während ich darauf zuhielt, merkte ich kaum, wie die anderen bereits vorliefen und sich irgendwie durch die Gassen den Weg suchen wollten.
Die Person, die meine Aufmerksamkeit erregt hatte, war ein Gnom! Und er verkaufte einfach auf offener Straße Material zum Einbrechen. Sicher, bei den meisten Utensilien musste man schon etwas Kreativität aufzeigen, um darauf zu kommen, dass man sich nutzen könnte, um ein Schloss zu knacken. Aber der Dietrich als Ersatzhausschlüssel war schon nicht mehr dreist, es war… typisch für den Maskenball. Wachen gingen mit ihren Schnabelmasken vorbei und scherten sich nicht im Geringsten darum. So konnte ich eine Weile gemütlich stöbern und auch das eine oder andere Werkzeug für meine Sammlung ergänzen, bis ich schließlich zufrieden ebenfalls den Rückweg antrat.

Was mir jedoch keine drei Gassen weiter begegnete, hieb mich fast aus den Socken. Aus dutzenden Wunden blutend und sich elendig hin und her wälzend, lagen Leana, Ixcalotl und Kilian allesamt am Boden und nuschelten irgendetwas von einem Überfall. Schnell eilte ich zurück, pfiff einen Arzt herbei und gemeinsam kümmerten wir uns um meine Gefährten. Dank der professionellen Hilfe konnten sie zumindest wieder gehen und wir kehrten in den betrunkenen Rotschopf ein, wo uns die nächste, üble Überraschung erwartete: in unsere Zimmer war durch die Fenster eingebrochen worden. Alles war weg, Gold, Waffen, die mächtigen Artefakte meiner Freunde. Ohne etwas getrunken zu haben, erlitt ich mächtige Kopfschmerzen und es verlangte mich einfach nur noch danach, auszuschlafen. Und am nächsten Tag würden wir Vezza auf den Kopf stellen, um herauszufinden, was für Bastarde das gewesen waren!

Als ich am nächsten Morgen erwachte, stand mir der Zorn direkt wieder heiß in den Adern. Dieser brutale Überfall verhöhnte die Gesetze des Maskenballs und was auch immer Grund dafür gewesen sein mochte – meine Sachen würden diese verfluchten Arschgeigen nicht behalten! Da fiel mein Blick auf meine Decke: dort lag ein kleiner, zusammengefalteter Zettel. Hastig klappte ich ihn auf, war jedoch des Lesens nicht mächtig. Auch Ixcalotl schien verwundert, scheinbar dieselbe Nachricht war auf ihm hinterlassen worden. Wer zur Hölle hatte das geschafft?
Da kamen Leana und Kilian herein – es fragte schon längst keiner mehr, wo Kilian in diesem Gasthaus geschlafen hatte. Sie hielten ebenfalls einen kleinen Zettel hoch und unsere verdutzten Mienen sprachen wohl Bände, daher las die Schamanin vor:

„Folgt dem weißen Kaninchen.“

Das half uns nicht wirklich weiter, höchstens eine Mischung aus lustigen wie unangenehmen Erinnerungen an den ersten Abend kam hoch. Daher zogen wir uns zunächst an, setzten wie immer die Masken auf und gingen runter in den Gastraum. Da fiel der Groschen:
An einem kleinen Tisch in der Ecke des Raumes, mit gutem Blick auf die Treppe, saß ein Mann in feiner, weißer Kleidung, die seine schmale Statur untermalte. Jedoch wirkte sie stellenweise fleckig-grau und abgenutzt, was zu seiner Maske passte: ein weißes Kaninchengesicht, jedoch mit eingerissenem Ohr, diversen Symbolen und dem einem und anderem roten Fleck, der diesem Abbild jegliche Harmlosigkeit nahm. Und meine Erinnerungen an das letzte Mal in Vezza kamen hoch – konnte es wirklich sein?

Kommentarlos stand der Mann auf und verließ den Raum. Wir zögerten keinen Moment und begannen die Verfolgung. Er schien uns eindeutig erwartet zu haben, hielt zwar den Abstand, aber achtete auch darauf uns nicht im Gewirr der Gassen zu verlieren.
Schließlich erreichten wir eine kleine, schäbige Hütte mitten in der Stadt, wo ein Fremder sich kaum hin verirrte. Das weiße Kaninchen trat ein und kurz darauf folgten wir.

„Seid gegrüßt“, eröffnete der Mann das Gespräch, kaum war die Tür hinter uns zugefallen. Er saß an einem Tisch, wobei er den einzigen Stuhl belegte. Es gab quasi kein Mobiliar und der Raum ließ sich noch über einen Hintereingang verlassen und schien noch eine Besenkammer oder dergleichen zu besitzen.

„Grüße…wer seid Ihr? Warum habt Ihr die Nachricht hinterlassen?“, eröffnete Leana unsererseits das Gespräch.

„Ich bin das weiße Kaninchen…entsendet von der Diebesgilde Vezzas. Wir haben von eurem Missgeschick erfahren. Wisst Ihr bereits, wer euch da so übel mitgespielt hat?“

Achselzuckend standen wir vier da… ich dachte ja eigentlich die anderen drei hätten wenigstens gewusst, wem sie am Ball oder sonst wo ans Bein gepisst haben!

„Er heißt Conte Invellio und ist der sehr eifersüchtige Mann einer gewissen Francesca, die Ihr…“, dabei fiel ein eindeutiger Wink Richtung Kilian – aber auch Leana?! „unter dem Namen Elena kennen dürftet. Nun, der gute Conte hieß die eine oder andere ‚Verbindung‘ offensichtlich nicht gut und hat seine Schläger geschickt. Den Rest kennt Ihr ja.“

„Und…was nun? Was will die Diebesgilde von uns?“, fragte Ixcalotl neugierig.

„Wir haben ein Angebot für euch. Der Conte ist uns seit geraumer Zeit ein Dorn im Auge, weil er sich unserem Einfluss gänzlich entzieht und das eine oder andere getan hat, was er in Vezza nicht darf. Wir wollen ihm eine endgültige Lektion erteilen und Ihr könnt dabei eine Rolle spielen. Dafür erhaltet Ihr natürlich all eure Sachen zurück sowie einen Anteil an der Beute. Was sagt Ihr?“

Da brauchte es nicht lange zu überlegen. Die mythische Diebesgilde von Vezza, mit ihr zusammenzuarbeiten war ein kleiner Wunsch gewesen, seitdem ich mit den Abanzzi durch die Küstenstaaten gezogen war. Und die anderen hatten mächtige Artefakte verloren, die sie wohl nur so wiederbekommen würden. Bei Kilian war es dann letztendlich wohl eher eine Frage des Stolzes.

So sagten wir zu und das weiße Kaninchen erläuterte seinen Plan: wir würden von der Diebesgilde gestohlene Masken der Stadtwache benutzen und uns dann als Söldner ausgeben, welche in Vezza naturgemäß zur Zeit des Maskenballs als Verstärkung angeheuert wurden. Mit dieser Tarnung sollten wir Conte Invellio abführen und in diese, schäbige Hütte führen. Der Moment, indem er hier festgehalten wird, würde die Diebesgilde nutzen und die Villa bis auf den letzten Kerzenständer ausrauben. Allerdings warnte der Mann uns auch vor, dass wir es vielleicht mit einigen Schlägern zu tun bekommen würden.
Anschließend klärten wir, was wir für den Auftrag brauchten, wie Waffen und Rüstungen. Das dauerte nicht lange, bis wir ausgestattet waren und schon machten wir uns auf den Weg, der Gerechtigkeit Genüge zu tun!

Die Feiernden beachteten uns kaum, wahrscheinlich amüsierten sich höchstens manche darüber, dass ein Gnom dabei war Andere wunderten sich womöglich, dass wir gerade aus laufen konnten – gerade unter den angeheuerten Söldnern eine Seltenheit, die uns fast schon verdächtig machte.
Aber wir erreichten die protzige Villa des Conte Invellio ohne Probleme. Als ich nun auch endlich das Heim unseres Widersachers sah, wusste ich, warum die Diebesgilde allzu gerne dort einbrechen würde. Allerdings konnte es auch nichts Gutes heißen, wenn sie das nicht tun wollten, während der Adelige im Hause war. Irgendetwas musste da faul sein…

Der Diener ließ uns direkt hinein, als er die Maske sah, stellte nicht viele Fragen und rief Conte Invellio, welcher noch im Nachthemd die Treppen heruntereilte. Erbost rief er uns entgegen:

„Was hat das zu bedeuten?“

„Conte Invellio, Ihr steht unter dringendem Verdacht in kriminelle Machenschaften verwickelt zu sein. Im Auftrag der Stadt Vezza nehmen wir Euch hiermit unter Arrest. Kommt unverzüglich mit uns, andernfalls müssen wir Waffengewalt anwenden“, eröffnete Ixcalotl.

„Was wird mir vorgeworfen?!“, blaffte der Conte.

„Bestechung sowie das Anheuern einer Schlägertruppe für Eure Zwecke. Ich will Euch nicht verwarnen müssen. Legt eure Hände offen, damit wir Euch Fesseln anlegen können und es wird alles geklärt werden.“

„Lasst mich noch mein Gewand anlegen. Aber dann wisset auch Ihr, dass es Konsequenzen geben wird. Niemand führt mich einfach so ab, glaubt mir, eure Masken werden nicht ewig schützen.“

Ixcalotl blieb unberührt und ordnete noch den Diener an, alle Bediensteten außer Haus zu führen, da dieses nun untersucht werden müsse. Machte er gar nicht so schlecht, wahrscheinlich hatte er als Zöllner Erfahrungen in die Richtung gemacht.
Es dauerte nicht lange, da kam Conte Invellio wieder herunter, diesmal in einem seiner maßgeschneiderten Gewänder und gekämmten Haar. Eitler Saubolzen, der würde sich wünschen lieber gleich zur Gegenwehr übergegangen zu sein…

So führten wir den Adeligen in Fesseln durch Vezzas Oberstadt, was einiges, aber nicht allzu großes, Aufsehen erregte. Vielleicht wunderten sie sich auch mehr darüber, dass er endlich abgeführt wurde und nicht darüber, dass er abgeführt wurde.
Spätestens ab dem Zeitpunkt, da wir in kleinere Gassen abbogen und so den Massentrubel verließen, änderte sich die Körperhaltung des Contes. Seine gelassene Arroganz wich zunächst einer angemessenen Skepsis, bis sie erschrockene Erkenntnis wurde, als wir die kleine Hütte erreichten und ihn in den Besenschrank steckten. Ein Knebel im Maul unterband weitere Versuche, uns auf die Nerven zu gehen.

„Ich glaube, wir wurden von seinem Handlanger, dem Mann mit der Teufelsmaske, verfolgt. Da dürfte Ärger auf uns zukommen“, erklärte Leana plötzlich. Während sich bei Ixcalotl und Kilian wohl Freude herauskristallisierte, auch diesen Halunken Manieren beizubringen, war ich doch eher skeptisch. Zwar hatte ich meine Kampffähigkeiten etwas verbessert, doch nicht zu Unrecht verlachten viele mein Kurzschwert als Zahnstocher!
So verblieb mir die Aufgabe als Späher und gegebenenfalls als Retter in der Not – mit einem Angriff in den Rücken würden sie wohl nicht rechnen. Meine drei Gefährten würden sich in der Hütte verschanzen und jeden aufhalten, der zum adeligen Arschloch wollte.

Ich kletterte draußen aufs Dach, um den besseren Überblick zu haben. Und um ehrlich zu sein: nicht direkt in der Angriffslinie zu stehen.
Leanas Augen hatten sie nicht getäuscht. Es näherte sich tatsächlich ein Mann mit einer rötlichen Dämonenfratze und fast einem Dutzend Begleiter mit schwarzen Stoffmasken. Ich pfiff so laut ich konnte und hoffte, dass die anderen verstehen würden. Dann verschanzte ich mich erst einmal und sah mir an, wie sich die Schläger verteilten, wobei die Mehrheit von vorne über Tür und Fenster einzudringen versuchte, während es hinten lediglich fünf Stück sein mochten.

Die verrammelten Eingänge schienen kein großes Problem zu sein und bald entbrannte in der kleinen Hütte ein heftiger Kampf, bei dem ich höchstens Ixcalotl ab und an durch die Hintertür ausmachen konnte. Dessen golden schimmernde Haut blockte nahezu jeden Treffer der Schläger einfach ab – gegen göttliche Unterstützung war die Bande mit ihren groben Holzknüppeln offensichtlich nicht gefeit. Aber immer wieder schien der Huatlani sich auch in die andere Richtung verteidigen zu müssen, irgendwas ging da im vorderen Teil der Hütte schief!

Also erhob ich mich, zielte und schleuderte ein Wurfmesser dem letzten der Schläger in der Gasse in den Rücken. Der ächzte auf, als sich die Klinge in seinen Rücken fraß – doch mangelnde Kraft verhinderte, dass der gut platzierte Treffer die Wirbelsäule durchtrennte. Aber zumindest hatte ich die Aufmerksamkeit meines ersten Kontrahenten auf den ich mich mit gezücktem Kurzschwert und Parierdolch stürzte.
Zwar war ich klein und leicht, doch der Schmerz durch den Treffer und die Überraschung ließen den Mann zu Boden gehen. Direkt stieß ich ihm die erste Klinge zwischen die Rippen, ehe er mich von sich herunter stoßen konnte. Dabei glitt die Schneide weiter seinen Brustkorb entlang und erwischte die Lunge. Die Augen unter der schwarzen Stoffmaske weiteten sich und er blieb am Boden liegen.

Aber ich hatte kaum meine Waffe zurückerobert, da musste ich mich auch schon unter dem Angriff seines Kameraden wegrollen. Fahrig versuchte ich seine Kniesehnen zu durchtrennen oder sogar die Achillesverse zu erwischen, aber die schnellen Bewegungen ließen mir keinen Moment zum Attackieren. Und plötzlich war ich zwischen die Fronten geschliddert, vor und hinter mir jeweils ein Schläger, die mich nun in die Mangel nehmen wollten.
Im Moment ihres gleichzeitigen Angriffes, nahm ich noch einen Schritt Anlauf und sprang dann mit aller Kraft die meine Beine hergaben über den Mann vor mir, dass sie ineinander liefen und sich die Köpfe anschlugen.

In dem Moment ertönte von innen ein mächtiger Knall und ich erkannte durch die Hintertür, wie es Ixcalotl gegen die Wand geschleudert hatte. Was zum?! „Hexerei!“, brüllte der Huatlani zornig und sprang direkt wieder auf die Beine um sein gewaltiges Schlachtbeil zu schwingen.
Mein Gegner war einen Moment länger als ich abgelenkt und bezahlte dies mit zwei üblen Treffern, einer in die Nieren und der andere öffnete die Beinarterie. Blut an die Wände spritzend stürzte er zu Boden. Huch, da hatte ich ja echt was gelernt, bei den Haelgarder Söldnerlehrern.

Doch der Erfolgsmoment war nur von kurzer Dauer und während ich mir noch Blut aus den Augen wischte, schlug mir der letzte, der noch bei mir in der Gasse stand, gegen den Arm. Klirrend fiel meine Zweitwaffe zu Boden und nur durch einen raschen Schritt zurück entging ich dem Rückhandangriff, der nun wenige Zoll vor meinem Gesicht vorbeischwang.
Brüllend holte der Schläger direkt wieder aus und trieb mich vor sich her, ehe ich mich an die Wand drücken konnte und er an mir vorbeischritt. Wütend wandte er sich um.

„Drecksgnom, bleib stehen!“

Daran dachte ich jedoch nicht im geringsten, spurtete zu meiner verloren gegangenen Waffe, drehte mich um und warf sie aus der Bewegung heraus gegen meinen wieder heraneilenden Kontrahenten. Der Wurf hätte nicht ansatzweise gesessen…da rutschte der Mann in einer Blutlache aus, zog seinen Kopf reflexartig nach oben und offenbarte seine Kehle. Es gab zunächst ein schmatzendes, dann ein knackendes Geräusch, als die Klinge in den Hals einfuhr und sich bis zum Heft hineinfraß. Der Laut der Überraschung über den Ausrutscher verstummte jäh und der Mann brach tot zusammen. Sauberer Unfall, er war in die Klinge gelaufen.

Ich hörte kurz darauf nur noch den dumpfen Schlag eines weiteren Körpers zu Boden gehen, ehe es still wurde. Vorsichtig lugte ich in die Hütte…und sah, dass die richtige Seite gewonnen hatte. Allerdings sahen Leana und Kilian heftig mitgenommen aus. Ixcalotl wirkte entkräftet, jedoch schien ihn sein göttlicher Beistand vor wirklich schlimmen Wunden bewahrt zu haben.

Kaum waren die beiden wieder auf den Beinen und die besiegten Schläger in die Hütte gezerrt, da erreichte uns das weiße Kaninchen, dem wir einen blutig zusammengeschlagenen, aber noch lebenden Conte präsentieren konnten. Dass es einige der angeheuerten Söldner erwischt hatte, interessierte den Mann der Diebesgilde kaum, konnte man wohl besser vertuschen als einen Adeligen.
Weitere Männer traten plötzlich ein, führten den Conte und die übrigen in Säcken hinaus und warfen sie auf einen klapprigen Wagen, der die Fracht bei Nacht hinausbringen dürfte.

„Was geschieht mit dem Conte jetzt?“, fragte Leana nach.
„Er wird am Rande des Zeltplatzes aufwachen – nackt und arm. Bald wird er feststellen, dass sein Haus leer ist, seine Frau wahrscheinlich fort, wenn sie schlau ist, und seine Macht in dieser Stadt gebrochen. Vielleicht sucht er sich eine andere Stadt, die er tyrannisieren kann oder er schmeißt sich in den See“, führte das weiße Kaninchen aus. „Aber für Euch zählt nur das hier.“

Und damit überreichte er jedem von uns ein kleines Säckchen mit Edelsteinen. „Zweitausend Goldstücke für jeden, euer Anteil. Wartet nun noch einen Moment.“

Mit diesem mysteriösen Hinweis verschwand das weiße Kaninchen. Verdutzt sahen wir uns an, da hörten wir plötzlich eine männliche Stimme leise flüstern. Es schien eine fremde Sprache zu sein, vielleicht machten die Worte nicht einmal Sinn. Dennoch schien es mir, als hätte ich es schon einmal gehört.
Da trat ein Mann durch die Hintertür. Er verursachte nicht ein Geräusch und es wirkte, als würde sein schwarzer Mantel jegliches Licht schlucken, das darauf fiel. Der Kopf war leicht gesenkt und von einem seltsamen, ebenfalls schwarzen Hut bedeckt, der durch eine breite Krempe auffiel. Auffallend war das Gesicht…die Maske des Mannes. Porzellanhaft weiß mit aufgeprägten Gesichtszügen, unter anderem einem formschönen Schnauzbart!

„Ich erfreue mich an Eurem Erfolg und habe ein Angebot an Euch“, erklärte sich der Mann mit leiser, aber angenehmer Stimme. „Ihr habt der Diebesgilde Euren Nutzen bewiesen und ich denke, wir können darauf aufbauen. Möge eine fruchtbare Zusammenarbeit entstehen, solange Ihr noch in Vezza verweilt und seid versichert, dass Ihr hier nun Freunde habt, die Euch gegen weiteren Harm zu unterstützen weiß.“

Mit diesen Worten verließ uns diese seltsame Person…der Diebeskönig von Vezza. Nie wieder bekamen wir ihn zu Gesicht, doch es war klar, dass wir in ihm einen Unterstützer gefunden hatten. Zumindest so lange, wie wir „nützlich“ waren.

Wir feierten noch, bis der Maskenball zu Ende ging, was mit einem weiteren Feuerwerk gefeiert wurde. Dann legten wir eine längere Pause in Vezza ein, die die anderen für das Studium und Unterricht nutzten, wobei auch die Diebesgilde hilfreich war, indem sie sich als Lehrer anboten. Leider hatte ich jedoch etwas derbe gefeiert und die eine oder andere Wette gesetzt, die ich nicht hätte machen sollen. Verfluchte Schneckenrennen…

So blieb mir wenig mehr, als in der für die anderen fruchtbaren Zeit, als Gaukler und Dieb durch die Straßen zu ziehen und mir ein schönes Leben zu machen.
Zwischendurch traf ich sogar einige Abanzzi mit denen ich viel Zeit verbringen und alte Erinnerungen auffrischen konnte, ehe meine Gefährten ihre Lernzeit beendet hatten und wir endlich wieder aufbrechen konnten…

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One thought on “Was in Vezza geschah, bleibt in Vezza!

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